Biogasanlage

Fermenter

Organisches Material wie Bioabfall trägt Energie in sich – Energie, die bei einer reinen Kompostierung als Abwärme und Kohlendioxid verloren geht. Um diese Energie nutzen zu können, wurde 2014 eine Biogasanlage gebaut, die vor die bestehende Kompostierungsanlage vorgeschaltet wurde. Dort werden jetzt ca. 23.000 Tonnen Bioabfall aus den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Weilheim-Schongau sowie eine Teilmenge aus der Stadt München verarbeitet.

Kernstück der Biogasanlage ist der Fermenter, in dem der Bioabfall unter Luftabschluss vergoren wird. Dabei entsteht ein Gasgemisch mit dem Hauptbestandteil Methan (53 – 67 %), aus dem mittels Blockheizkraftwerk Strom und Wärme gewonnen werden kann. Ein Großteil des erzeugten Stroms wird in das Stromnetz eingespeist (Zahlen siehe unten).

2021 wurde ein zusätzliches zweites Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen, denn bisher musste während Wartungs- und Reparaturarbeiten oder bei sehr hoher Gasproduktion wertvolles Biogas ungenutzt abgefackelt werden. Zudem kann die Stromproduktion jetzt flexibel an die Nachfrage angepasst werden: im Laufe eines Tages können wir das Gas aus dem Zwischenspeicher flexibel auf keines, eines oder beide Blockheizkraftwerke leiten, was vom Netzbetreiber mit einer Flexibilitätsprämie belohnt wird. Die Vergütung für die Stromeinspeisung fließt zu 100 % dem Müllgebührenhaushalt zu.

Blockheizkraftwerk vor Biogasspeicher

Die Blockheizkraftwerke haben eine Leistung von 800 und 637 Kilowatt. Jährlich werden damit mindestens 6 Gigawattstunden Strom (im Jahr 2021 waren es 6,15 Gigawattstunden) und 6,3 Gigawattstunden Wärme erzeugt. Etwa 1,75 Gigawattstunden des erzeugten Stroms decken den Bedarf aller Anlagenbereiche in Quarzbichl einschließlich Verwaltung. Der verbleibende größere Teil wird in das Stromnetz eingespeist, so dass etwa 1.400 Haushalte mit regenerativem Strom versorgt werden können*. Die Wärme wird am Standort Quarzbichl für Betrieb und Verwaltung genutzt. Allein für die Heizung werden so im Schnitt 30.000 Liter Heizöl im Jahr eingespart.

Im Hinblick auf die Entwicklung der Erderwärmung ist es nur folgerichtig, Strom und Wärme regenerativ zu erzeugen – also ohne fossile Brennstoffe/ ohne Erzeugung zusätzlicher Treibhausgase. Zumal in unserem Fall der Bioabfall ja ohnehin vorhanden ist, also der Ausgangsstoff noch nicht einmal extra angebaut werden muss. Durch die Nutzung der in den Bioabfällen enthaltenen Energie werden jährlich über 2,5 Millionen Kilogramm des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid eingespart**. Das schützt das Klima und damit auch Menschen. Alle Bewohnerinnen und Bewohner der angeschlossenen Landkreise, die ihre Bioabfälle in die braune Biotonne geben – ohne Plastiktüten und sorgfältig von anderen Abfällen getrennt -, tragen dazu bei.

Hat der Bioabfall den Fermenter durchlaufen, ist er zum sogenannten Gärgut geworden. Dieses geht weiter zur Kompostierung, muss jedoch zuvor entwässert werden. Dabei entsteht neben dem entwässerten Gärgut auch Presswasser. Das Presswasser wird als Flüssigdünger im Ackerbau eingesetzt. Genauso wie für den fertigen Kompost haben wir auch für das Presswasser als Gärprodukt das RAL Gütesiegel verliehen bekommen.

Das entwässerte Gärgut wird anschließend kompostiert.

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-> Übersicht „Der Weg des Bioabfalls“

-> Fotostrecke zur Biogasanlage in Quarzbichl (15 Seiten, 6 MB)

Für Schulen:
Die Fotostrecke ist eine Auswahl aus unserem „Virtuellen Rundgang“. Diesen erhalten Sie gerne komplett (113 Seiten) und in nicht-reduzierter Dateigröße als Powerpoint-Präsentation. CD bestellen: Abfallberatung.

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* statistisches Bundesamt: 3.106 kWh /Haushalt in Dtl. (2019)
** Umweltbundesamt (strom-waermeversorgung-in-zahlen, 2019): 0,408 kg CO2/kWh